Joseph und seine Brüder

Veröffentlicht am So., 23. Jun. 2019 16:01 Uhr
Bericht Ki Ju Kantorei

Hat es so etwas schon einmal gegeben? Ja, ist denn das die Möglichkeit? Ein Kamel und ein Elefant im Gemeindesaal von Alt-Heiligensee? Falls nicht, so gab es am 16. Juni 2019 mit dem Stück „Joseph und seine Brüder“ eine tierische Premiere. Genau genommen geht es in der biblischen Geschichte weniger um exotische Vierbeiner, als vielmehr um sehr handfesten Neid und Missgunst zwischen Geschwistern. Mal ehrlich, wer kennt das nicht aus der eigenen Familie oder dem Bekanntenkreis? Konkurrenzkämpfe der Kinder um die Aufmerksamkeit der Eltern treten in den meisten Geschwisterbeziehungen regelmäßig auf. Viele Eltern können ein Lied davon singen. Zum Glück vertragen sich die Brüder und Schwestern auch wieder. Zugegebenermaßen geht das mal mehr oder weniger schnell. 

Die Josephgeschichte „Joseph und seine Brüder“, die der Kinderchor Heiligensee unter der Leitung der Kantorin Cornelia Vogt als Musical zur Aufführung bringt, zeigt zum einen, dass Konflikte unter Geschwistern völlig normal sind. Zum anderen wird auch deutlich, wie wichtig und schwierig Vergebung und Versöhnung sein können. Die singenden und schauspielenden Kinder entführten das Publikum auf spannende und unterhaltsame Weise in die Familiengeschichte von Joseph. Er ist einer von zwölf Söhnen Jakobs, der von seinen Brüdern um die Liebe des Vaters Jakob beneidet wird, weil diese sich ungerecht behandelt fühlen. Der Neid der Brüder wird so groß, dass sie Joseph als Sklaven nach Ägypten verkaufen. Der von seinem Vater tot geglaubte Joseph verliert sein Zuhause, seine Freiheit und erfährt in der Fremde Unrecht, Gefängnis und Verleumdung. Da Joseph jedoch Träume deuten kann und sich diese Gabe bis zum Hof des Pharao herumspricht, darf er eines Tages dem Pharao sein Talent unter Beweis stellen. Dadurch bewahrt er die Ägypter vor einer großen Hungersnot und wird ein erfolgreicher Minister. Als der Hunger die elf Brüder aus Israel nach Ägypten führt, begegnen sie dort Joseph wieder. Joseph stattet sie mit Säcken voll Korn aus, stellt sie aber auf eine harte Probe, in dem er einen goldenen Kelch im Sack des jüngsten Bruders Benjamin versteckt. Als er den vermeintlichen Dieb bestrafen will, nehmen die übrigen Brüder die Schuld auf sich, um den Jüngsten zu schützen, der nach Josephs Verschwinden vom Vater Jakob am meisten geliebt wird. Berührt von solcher Nächstenliebe gibt sich Joseph seinen Brüdern zu erkennen. Sie fürchten sogleich seine Rache, geben ihre Schuld zu und bitten ihn um Vergebung. Joseph erkennt rückblickend, dass die Tat seiner Brüder dazu führte, dass er seine Talente andernorts entfalten konnte und seine Familie und viele andere vor dem Hungertod bewahren konnte. Somit war er von Gott nicht verlassen, sondern Gott hat aus Bösem Gutes werden lassen. Joseph vergibt seinen Brüdern. 

Musikalisch begleitet wurde der Kinderchor von Mareike Schäfer (Klavier), Helene Vogt (Querflöte), Pepita Petrusch (Geige) und Wiebke Siegel (Cello).

Eva Nieuweboer

(Fotos: Thomas Frisch)



Bildnachweise: